Dienstag, 31. Mai 2011

Märchenfachtagung in Cloppenburg

Diese Hexe sah ich in einem zauberhaften Garten, ganz in der Nähe der Katholischen Akademie Stapelfeld/Cloppenburg.
Hier fand vom 19. - 22.Mai eine Fachtagung zum Thema: "Märchen - Anleitung zum Leben?" statt.
Ja, diese Frage kann man/frau sich stellen:
Können Märchen Wegweiser sein, können sie helfen, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen? Entwerfen sie vielleicht sogar Lebensmodelle? .......

Ach was, höre ich einige sagen. Märchen sind etwas für Kinder. Märchen sind erfundene Geschichten, die nichts mit der (Erwachsenen)-Realität zu tun haben. Sie eignen sich höchstens zur kurzweiligen Unterhaltung.
Wer sich aber intensiver mit Märchen befasst, der spürt: Märchen enthalten Wahrheiten, die ganz tief aus der menschlichen Seele emporzusteigen scheinen - wie Traumbilder.
Sie erzählen von Liebe und Freude, Schönheit und Reichtum, Tapferkeit und Mut; sie erzählen aber auch von Hass, Eifersucht, Neid und Gier, von Hinterhalt und Feigheit, also von all dem, was Leben ausmacht.
Märchen berichten von dem schwierigen und oft gefährlichen Weg des Helden/der Heldin. Der Weg führt aus einer häufig bedrückenden, oft demütigenden Situation heraus in die Welt, in der Abenteuer und Gefahren, zumeist mit Unterstützung von (jenseitigen)Helfern, zu meistern sind. Die weiten Wegstrecken stellen für die Märchenhelden große Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten dar.
Unverändert kehrt keiner zurück. Die Erfahrungen scheinen einen Reifungsprozess angeregt zu haben, so dass erst dadurch herauskommt, was in einem Menschen steckt.
Märchen können Begleiter und Wegweiser sein und ermutigen, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen: Beim Erwachsenwerden, in der Partnerbeziehung, bei Abschied, Trennung und Tod.
Märchen sind beständig, weil sie vom Wesentlichen reden. Sie machen uns Mut, die Verantwortung für unser Leben zu übernehmen und zu handeln.

Rätselauflösung Mai 2011

Das Märchen, nach dem gefragt wurde, heißt "Das Lumpengesindel". Es ist eines der weniger bekannten Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm. Es befindet sich an zehnter Stelle der Kinder- und Hausmärchen (Ausgabe von 1857). Es ist kein Zaubermärchen, sondern eher ein Schwank.

Das Lumpengesindel
Hähnchen sprach zu Hühnchen: “Jetzt ist die Zeit, wo die Nüsse reif werden, da wollen wir zusammen auf den Berg gehen und uns einmal recht satt essen, ehe sie das Eichhorn alle wegholt.” - “Ja,” antwortete das Hühnchen, “komm, wir wollen uns eine Lust miteinander machen.” Da gingen sie zusammen fort auf den Berg, und weil es ein heller Tag war, blieben sie bis zum Abend. Nun weiß ich nicht, ob sie sich so dick gegessen hatten, oder ob sie übermütig geworden waren, kurz, sie wollten nicht zu Fuß nach Haus gehen, und das Hähnchen mußte einen kleinen Wagen von Nußschalen bauen. Als er fertig war, setzte sich Hühnchen hinein und sagte zum Hähnchen: “Du kannst dich nur immer vorspannen.” - “Du kommst mir recht,” sagte das Hähnchen, “lieber geh ich zu Fuß nach Haus, als daß ich mich vorspannen lasse. Nein, so haben wir nicht gewettet. Kutscher will ich wohl sein und auf dem Bock sitzen, aber selbst ziehen, das tu ich nicht.”
Wie sie so stritten, schnatterte eine Ente daher: “Ihr Diebesvolk, wer hat euch geheißen, in meinen Nußberg gehen? Wartet, das soll euch schlecht bekommen!” Ging also mit aufgesperrtem Schnabel auf das Hähnchen los. Aber Hähnchen war auch nicht faul und stieg der Ente tüchtig zu Leib, endlich hackte es mit seinen Sporn so gewaltig auf sie los, daß sie um Gnade bat und sich gern zur Strafe vor den Wagen spannen ließ. Hähnchen setzte sich nun auf den Bock und war Kutscher, und darauf ging es in einem Jagen: “Ente, lauf zu, was du kannst!” Als sie ein Stück Weges gefahren waren, begegneten sie zwei Fußgängern, einer Stecknadel und einer Nähnadel. Sie riefen: “Halt halt!” und sagten, es würde gleich stichdunkel werden, da könnten sie keinen Schritt weiter, auch wäre es so schmutzig auf der Straße, ob sie nicht ein wenig einsitzen könnten, sie wären auf der Schneiderherberge vor dem Tore gewesen und hätten sich beim Bier verspätet. Hähnchen, da es magere Leute waren, die nicht viel Platz einnahmen, ließ sie beide einsteigen, doch mußten sie versprechen, ihm und seinem Hühnchen nicht auf die Füße zu treten. Spät abends kamen sie zu einem Wirtshaus, und weil sie die Nacht nicht weiterfahren wollten, die Ente auch nicht gut zu Fuß war und von einer Seite auf die andere fiel, so kehrten sie ein. Der Wirt machte anfangs viel Einwendungen, sein Haus wäre schon voll, gedachte auch wohl, es möchte keine vornehme Herrschaft sein, endlich aber, da sie süße Reden führten, er solle das Ei haben, welches das Hühnchen unterwegs gelegt hatte, auch die Ente behalten, die alle Tage eins legte, so sagte er endlich, sie möchten die Nacht über bleiben. Nun ließen sie wieder frisch auftragen und lebten in Saus und Braus. Frühmorgens, als es dämmerte und noch alles schlief, weckte Hähnchen das Hühnchen, holte das Ei, pickte es auf, und sie verzehrten es zusammen; die Schalen aber warfen sie auf den Feuerherd. Dann gingen sie zu der Nähnadel, die noch schlief, packten sie beim Kopf und steckten sie in das Sesselkissen des Wirts, die Stecknadel aber in sein Handtuch, endlich flogen sie, mir nichts, dir nichts, über die Heide voran. Die Ente, die gern unter freiem Himmel schlief und im Hof geblieben war, hörte sie fortschnurren, machte sich munter und fand einen Bach, auf dem sie hinabschwamm; und das ging geschwinder als vor dem Wagen. Ein paar Stunden später machte sich erst der Wirt aus den Federn, wusch sich und wollte sich am Handtuch abtrocknen, da fuhr ihm die Stecknadel über das Gesicht und machte ihm einen roten Strich von einem Ohr zum andern. Dann ging er in die Küche und wollte sich eine Pfeife anstecken. Wie er aber an den Herd kam, sprangen ihm die Eierschalen in die Augen. “Heute morgen will mir alles an meinen Kopf,” sagte er, und ließ sich verdrießlich auf seinen Großvaterstuhl nieder; aber geschwind fuhr er wieder in die Höhe und schrie: “Auweh!” Denn die Nähnadel hatte ihn noch schlimmer und nicht in den Kopf gestochen. Nun war er vollends böse und hatte Verdacht auf die Gäste, die so spät gestern abend gekommen waren. Und wie er ging und sich nach ihnen umsah, waren sie fort. Da tat er einen Schwur, kein Lumpengesindel mehr in sein Haus zu nehmen, das viel verzehrt, nichts bezahlt und zum Dank noch obendrein Schabernack treibt.
ENDE

Samstag, 14. Mai 2011

Phaeton

Wer war Phaeton ?
Er war der Sohn der Klymene und des Sonnegottes Helios. Als Phaeton zu einem jungen Mann herangewachsen war, machte er sich auf den Weg, seinen Vater in dessen goldenen Palast zu besuchen.
Der Jüngling bedrängte seinen Vater so lange, bis dieser ihm erlaubte, einmal den Sonnenwagen zu fahren und über das Firmament zu lenken. Die drei Feuerpferde wurden herangebracht. Bevor es losging, ermahnte Helios seinen Sohn, auf keinen Fall zu nahe an die Erde heranzukommen und nicht nach unten zu schauen.
Am Anfang ging alles gut, und Phaeton fühlte sich großartig. Dann aber wollte er die Richtung ändern. Als die Pferde ihm nicht gehorchten, schlug er sie mit der Peitsche und fing an sie zu beschimpfen. Da rasten die Pferde auf die Erde zu. Der Sonnenwagen streifte die Erde und verbrannte weite Landstriche. Da wurde Zeus wütend und schleuderte einen Blitz auf Phaeton. Phaeton fiel aus dem Wagen und verbrannte.

Den Namen Phaeton trägt auch ein PKW Modell der Oberklasse, das von der VW AG gebaut wird.
Ist es nicht etwas merkwürdig, ein Auto nach einem ungestümen jungen Mann zu benennen, der vom Himmel herab in sein Unglück gestürzt ist?

Sonntag, 8. Mai 2011

Märchenrätsel, Monat Mai

Am Freitag (6.5.) hat ein 61 jähriger protestantischer Geistlicher bei "Wer wird Millionär?" € 125 000 gewonnen und will davon 110 000 Euro an einen verschuldeten Freund verschenken.
Die 125000-Euro-Frage lautete: Wie heißt das Grimm'sche Märchen, in dem es um ein Hähnchen, ein Hühnchen, eine Stecknadel und eine Nähnadel geht?

Ich gebe die Frage an euch weiter.
Viel Spaß....

Samstag, 7. Mai 2011

Rätselauflösung April 2011


1) Die Vornamen der Brüder sind Jacob und Wilhelm.
2) Jacob war der ältere, er wurde am 4.1.1785 geboren. Sein Bruder Wilhelm war ein Jahr jünger, er wurde am 24.2.1786 geboren.
3) Beide lebten von 1841 bis zu ihrem Tod in Berlin und wurden auf dem Mattäikirchhof in der Großgörschenstr.12 in Berlin-Schöneberg beerdigt. Man/frau kann ihre letzte Ruhestätte dort besuchen. Auf den Grabsteinen stehen nur ihre Lebensdaten. Die weitere Inschrift ist einfach: "Hier liegt Wilhelm Grimm" steht auf dem einen Stein; "Hier liegt Jacob Grimm" steht auf dem anderen Stein. Jacob hat es kurz vor seinem Tod "unverbrüchlich" so verfügt.