Montag, 30. Januar 2012

Hexenspruch


Aus zwei mach eins
Sonst lieber keins!

Aus einmal leer
Mach zweimal voll,
Jawoll!

Aus gestern nimmer
Mach morgen immer!

Aus hin und her
Mach immer mehr!

Aus niedrigem Triebe
Mach wahre Liebe!

Iltiskralle, Käferbein,
Du sollst meine Liebe sein!

Sonntag, 29. Januar 2012

Buchempfehlung

Könnt ihr euch einen Psychotherapeuten vorstellen, der seinen Patienten mit Vorliebe Geschichten erzählt, anstatt mit ihnen analytische Gespräche zu führen?
In dem unterhaltsamen Roman "Komm, ich erzähl dir eine Geschichte" geht es um einen Mann, der zu einem solchen recht sonderbaren Psychotherapeuten kommt. Dieser hat Freude daran, seinem Patienten Märchen aus aller Welt, Sufi-Gleichnisse, Zen-Weisheiten, antike Sagen und manche recht skurrile Geschichte zu erzählen.
Auf diese Weise will er das Komplizierte einfach werden lassen.

Ein richtiges Lesevergnügen....
"Bucays Buch ist voll von zauberhaften Geschichten, die einem helfen, sich selbst zu helfen." (Bücher-Zeitung)

Samstag, 28. Januar 2012

Der Kluge

Er ging in den Wald
und man hörte ihn lange noch lachen
über die Märchengewalt
der Elfen und Drachen
denn er kannte die Zauberpflanzen
nach der Botanik Gesetzen
und er wusste dass Irrlichter tanzen
wenn im Grund sich Substanzen zersetzen

Der Wald nahm ihn auf
der Wind sang wie sonst in den Zweigen
Der Bach nahm wie sonst seinen Lauf
der Rest war Zirpen und Schweigen

Wo er geblieben ist
musst du ein Irrlicht fragen
das kann wenn es will
den Weg zum Drachen dir sagen
und bringst du drei Kräuter
so tragen dich Drachenflügel
zu seinem Kerker
unter dem Elfenhügel

(Erich Fried)

Sonntag, 22. Januar 2012

Buchtipp

"Im Grunde erschien sie mir wie eine gute Fee aus dem Märchen...... Mit ihrem goldenen Haar sah sie fast so aus. Ich konnte sie mir gut im schneeweißen Kleid vorstellen, in der Hand einen funkensprühenden Zauberstab."
Dieses Zitat stammt aus einem wundervollenen Liebesroman, den ich gerade lese. Eine Geschichte voller Leidenschaft und Tragik. Der Roman stammt von Nuala O'Faolain und heißt Ein alter Traum von Liebe.
Die aus Irland stammende Protagonistin, sie ist Journalistin, spürt einer tragischen Liebesgeschichte aus der Zeit der katastrophalen Hungersnot in Irland (Mitte 19.Jh) nach und denkt währenddessen über ihr eigenes unerfülltes Liebesleben nach. Seit Jahren leidet sie darunter, dass sie nie die wahre Liebe gefunden hat.
In ihre Heimat zurückgekehrt "stößt sie nicht nur auf die Geschichte einer Amour fou und eines der größten Scheidungsskandale Irlands, sondern auch auf einen Mann, der ihre Gefühle herausfordert. Vielleicht zum letzten Mal."
Klappentext (List-Verlag)

Montag, 16. Januar 2012

Rätselauflösung Dezember, drittes Rätsel

Das Märchen"Die Prinzessin auf der Erbse" gehört mit zu den beliebtesten Märchen.
Die Prinzessin spürt beim Schlafen eine Erbse durch 20 Matratzen und 20 Federbetten !!!!
Dazu ist nur ein wirkliche Prinzessin fähig.


Andersen, der dänische Märchenerzähler und -sammler, hieß mit Vornamen Hans-Christian.


Die Prinzessin auf der Erbse
Es war einmal ein Prinz, der wollte eine Prinzessin heiraten, aber es sollte eine wirkliche Prinzessin sein. Da reiste er in der ganzen Welt herum, um eine solche zu finden, aber überall war da etwas im Wege. Prinzessinnen gab es genug, aber ob es wirkliche Prinzessinnen waren, konnte er nicht herausbringen, immer war etwas, was nicht in der Ordnung war. Da kam er wieder nach Hause und war ganz traurig, denn er wollte doch gern eine wirkliche Prinzessin haben.
Eines Abends zog ein furchtbares Wetter auf; es blitzte und donnerte, der Regen stürzte herunter, es war ganz entsetzlich. Da klopfte es an das Stadtthor, und der alte König ging hin, aufzumachen.
Es war eine Prinzessin, die draußen vor dem Thore stand. Aber, wie sah sie vom Regen und dem bösen Wetter aus! Das Wasser lief ihr von den Haaren und Kleidern herunter, und lief in die Schnäbel der Schuhe hinein und aus den Hacken wieder heraus, und sie sagte, daß sie eine wirkliche Prinzessin sei.
»Ja, das werden wir schon erfahren!« dachte die alte Königin, aber sie sagte nichts, ging in die Schlafkammer hinein, nahm alle Betten ab und legte eine Erbse auf den Boden der Bettstelle. Darauf nahm sie zwanzig Matratzen, legte sie auf die Erbse, und dann noch zwanzig Eiderdunenbetten oben auf die Matratzen.
Da sollte nun die Prinzessin die ganze Nacht liegen.
Am Morgen wurde sie gefragt, wie sie geschlafen habe.
»O, schrecklich schlecht!« sagte die Prinzessin. »Ich habe meine Augen die ganze Nacht nicht geschlossen! Gott weiß, was da im Bette gewesen ist. Ich habe auf etwas Hartem gelegen, sodaß ich ganz braun und blau über meinem ganzen Körper bin! Es ist ganz entsetzlich!«
Nun sahen sie wohl, daß es eine wirkliche Prinzessin war, da sie durch die zwanzig Matratzen und die zwanzig Eiderdunenbetten die Erbse verspürt hatte. So empfindlich konnte niemand sein, außer einer wirklichen Prinzessin.
Da nahm der Prinz sie zur Frau, denn nun wußte er, daß er eine wirkliche Prinzessin besitze, und die Erbse kam auf die Kunstkammer, wo sie noch zu sehen ist, wenn sie niemand genommen hat.
Sieh, das ist eine wahre Geschichte.

Freitag, 13. Januar 2012

Rätselauflösung Dezember, Nr. 2

, Kennt ihr das Märchen "Von dem Fischer und seiner Frau"? Ich sage nur "Manntje,Manntje Timpe te,
Buttje, Buttje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich gern will"

Ja, welcher Mann möchte nicht auch manchmal diesen Spruch loslassen.

Und hier habe ich einen Buchtipp: "Von dem Fischer und seiner Frau"
Das Märchen, plattdeutsch aufgeschrieben von Philipp Otto Runge, wird nacherzählt von Uwe Johnson und bestens mit Bildern versehen von der Illustratorin Katja Germann. Ilsebill, die Frau des Fischers will aber auch sehr viel: "Königin, Kaiserin, Papst will sie werden und am Ende über Sonne und Mond gebieten - selten endet eine Geschichte so sehenswert 'im Eimer' " Nordkurier, 9.7.2011
Die Geschichte ist in der Tat ein Klassiker unter den Märchen, ein sagenhafter Stoff mit unvergänglicher Aktualität.



Von den Fischer und siine Fru.

Daar was mal eens een Fischer un siine Fru, de waanten tosamen in’ n Pispott, dicht an de See
un de Fischer ging alle Dage hen un angelt, un ging he hen lange Tid. Daar satt he eens an de See bi de Angel un sach in dat blanke Water, un he sach ümmer na de Angel
daar ging de Angel to Grun’n, deep unner, un as he se heruttreckt so haalt he eenen groten Butt herut
de Butt sed’ to em: „ick bidd di, dat du mi lewen lettst, ick bin keen rechte Butt, ick bin een verwünscht’ Prins, sett mi wedder in dat Water un laat mi swemmen“
Nu, sed’ de Mann, du bruukst nich so veele Woord’ to maken, eenen Butt, de spreken kan, hadd ick doch woll swemmen laten. Daar sett’t he en wedder in dat Water, un de Butt ging fuurts weg to Grun’n un leet eenen langen Stripen Bloot hinne sich.
De Mann averst ging to siine Fru in’n Pispott un vertellt eer, dat he eenen Butt fangen hadd, de hadd to em segt, he weer een verwünscht’ Prins, doon hadd he em wedder swemmen laten. „Hest du di den nix wünscht?“ sed’ de Fru.
„Nee! sed de Mann, wat sull ick mi wünschen?“
„Ach! sed’ de Fru, dat is doch övel, ümmer in’n Pispott to wanen, dat is so stinkig un dreckig hier, ga du noch hen un wünsch uns ne lütte Hütt!“ den Mann was dat nicht so recht, doch ging he hen na de See, un as he hen kamm, so was de See gans geel un grön, da ging he an dat Water, staan, un sed:

„Mandje! Mandje! Timpe Te!
Buttje! Buttje in de See!
Mine Fru, de Ilsebill,
Will nich so, as ick wol will.“

Daar kam de Butt answemmen un sed’: „na wat will se denn?“
„Ach! sed’ de Mann, ick hev di doch fangen hätt, nu sed’ mine Fru, ick hadd mi doch wat wünschen sullt, se mag nich meer in Pispott wanen, se wull geern ne Hütt hebben.“
„Ga man hen, sed de Butt, se is all daar in.“ –
Daar ging de Mann hen, und siine Fru stund in eene Hütt in de Döör, un sed to em: „kumm man herin; sü, nu is dat doch veel beter!“ Un daar was eene Stuwe un Kamer un eene Köck daar in, un da achter was een lütte Gaarn mit allerhand Grönigkeiten un een Hoff, da weeren Höner und Aanten. „Ach, sed de Mann, nu willn wi vergnögt lewen“
„Ja, sed de Fru, wi willnt verjöken.“
So ging dat nu wol een acht oder veertein Daag, daar sed’ de Fru: „Mann! de Hütt wart mi to eng, de Hoff un Gaarn is to lütt, ick will in een grot steenern Slott wanen; ga hen tum Butt, he sall uns een Slott schaffen.“
„Ach Fru, sed de Mann, de Butt hett uns erst de Hütt gewen, ick mag nu nich all wedder kamen, den Butt mügt et verdreeten.“
„I watt, sed de Fru, he kann dat recht good, un deet dat geern, ga du man hen!“ Daar ging der Mann hen un siin Hart was em so swar; as he awerst bi de See kam, was dat Water gans vigelett un grag un dunkelblag, doch was’t noch still, dar ging he staan un sed:

„Mandje! Mandje! Timpe Te!
Buttje, Buttje in de See!
Mine Fru, de Ilsebill,
Will nich so, as ick wol will.“

„Na! wat will se denn?“ sed de Butt.
„Ach, sed de Mann, gans bedrövd, mine Fru will in een stenern Slott wanen.“
„Ga man hen, se steit vör de Döör“ sed de Butt.
Daar ging de Mann hen un siine Fru stund vör eenen groten Pallast. „Sü Mann, sed se, wat is dat nu schön!“ Mit des gingen se tosamen herin, daar weeren so veel Bedeenters, un de Wände weeren all blank, un goldne Stööl un Dische weeren in de Stuw, un achter dat Slott was een Gaarn un Holt, woll eene halve Miil lang, daar in weren Hirsche, Reeh un Hasen, un up den Hoff Köhun Peerdställ. „Ach! sed de Mann, nu willn wi ook in dat schöne Slott bliwen, un tofreden sin!“
„Dat willn wi uns bedenken, sed de Fru, un willn’t beschlapen.“ Mit des gingen se to Bed. Denn annern Morgen waakt de Fru up, dat was all Dag: da stödd’ se den Mann mit den Ellbagen in de Siid, un sed: „Mann stah up, wi möten König warden över all dat Land.“
„Ach! Fru, sed de Mann, wat wulln wi König warden, ick mag nich König sin;“ na denn will ick König sin.
„Ach! Fru, sed de Mann, wo kannst du König sin, de Butt mügt dat nich doon“
„Mann, sed de Fru, ga stracks hen, ick möt König sin.“ Daar ging de Mann un was gans bedrövd, dat sin Fru König warden wull. Un as he an de See kamm, was se all gans swartgrag un dat Water geert so van unner up. Daar ging he staan un sed:

„Mandje! Mandje! Timpe Te!
Buttje, Buttje in de See!
Mine Fru, de Ilsebill,
Will nich so, as ick wol will.“

„Na wat will se denn?“ sed de Butt.
„Ach! sed de Mann, mine Fru will König warden“
„Ga man hen, se is’t all,“ sed de Butt.
Daar ging de Mann hen, un as he na den Palast kamm, da weren daar so veele Soldaten un Pauken un Trumpeten, un siine Fru satt up eenen hogen Troon van Gold un Demant un had eene grote goldne Kroon up un up beiden Siiden bi eer daar stunden sös Jumfern, ümmer eene eenen Kops lütjer as de annre. „Ach, sed de Mann, bist du nu König?“
„Ja, sed se, ick bin König.“ Un as he eer so ne Wile anseen had, so sed he: „ach Fru! wat lett dat schön, wenn du König bist, nu willn wi ook nich meer wünschen.“
„Nee Mann, sed se, mi duurt dat all to lang, ick kan dat nich meer uthollen, König bin ick, nu möt ick ook Kaiser warden!“
„Ach! Fru, sed de Mann, wat wullst du Kaiser warden?“
„Mann, sed se, ga tum Butt, ick wull Kaiser sin“
„Ach Fru, sed de Mann, Kaiser kan he nich maken, ick mag den Butt dat nicht seggen.“
„Ich bin König, sed de Fru, un du bist min Mann, ga glük hen!“ Da ging de Mann weg, un as he so ging, dacht he: „dit geit un geit nicht good, Kaiser is to utverschamt, de Butt ward am Ende möde.“ Mit des kamm he an de See, dat Water was gans swart un dick, un et ging so een Keekwind äver hen, dat dat sik so köret; daar ging he staan un sed:

„Mandje! Mandje! Timpe Te!
Buttje, Buttje in de See!
Mine Fru, de Ilsebill,
Will nich so, as ick wol will.“

„Na wat will se denn?“ sed de Butt.
„Ach sed he, min Fru will Kaiser warden.“
„Ga man hen, sed de Butt, se is’t all.“ Daar ging de Mann hen, un as he daarkamm, so satt siine Fru up eenen seer hogen Troon, de was van een Stück Gold, un had eene grote Kroon up, de was wol twee Ellen hoch, bi eer up de Siiden dar stunnen de Trabanten, ümmer een lüttjer as de anner, von den allergrötsten Risen, bett to den lüttsten Dwark, de was man so lang, as miin lüttje Finger. Vor eer dar stunden so veele Fürsten un Graven, da ging de Mann unner staan, un sed: „Fru! bist du nu Kaiser?“
„Ga, sed se, ick bin Kaiser.“
„Ach! sed de Mann, un sach se so recht an, Fru wat lett dat schön, wenn du Kaiser bist.“
„Mann, sed se, wat steist du daar, ick bin nu Kaiser, nu will ick äwerst ook Papst warden.“
„Ach! Fru, sed de Mann, wat wist du Pabst warden, Pabst is man eenmal in de Christenheit.“
„Mann, sed se, ick möt hüüt noch Pabst warden.“
„Ne Fru, sed he, to Pabst kan de Butt nich maaken, dat geit nich good.“
„Mann, wat Snak, kan he Kaiser maken, kan he ook Pabst maken, ga fuurts hen!“ Daar ging de Mann hen, un em was gans flau, dee Knee un de Waden flakkerten em, un buten ging de Wind, un dat Water was, as kaakt dat, de Schep schoten in de Noot un dansten un sprungen up de Bülgen, doch was de Himmel in de Midde noch so’n beeten blag,  awerst an de Siden, daar toog dat so recht rood up as een swaar Gewitter. Dar ging he recht vörzufft staan un sed:

„Mandje! Mandje! Timpe Te!
Buttje, Buttje in de See!
Mine Fru, de Ilsebill,
Will nich so, as ick wol will.“

„Na, wat will se denn?“ sed de Butt.
„Ach! sed de Mann, miin Fru will Pabst warden.“
„Ga man hen, sed de Butt, se is’t all.“
Daar ging he hen, un as he daar kamm, satt sine Fru up eenen Tron, de was twee Mil’ hoch, un had dree groote Kroonen up, un um eer da was so veel van geistlike Staat, un up de Siden bi eer, daar stunden twee Reegen Lichter, dat grötste so dick un groot as de aller grötste Torm, bet to dat alle lüttste Köten-Licht. „Fru, sed de Mann, un sach se so recht an, bist du nu Pabst?“
„Ja, sed se, ick bin Pabst!“
„Ach! Fru, sed de Mann, wat lett dat schön, wenn du Pabst bist; Fru, nu wes tofreden, nu du Pabst bist, kanst du nix meer warden.“
„Dat will ick mi bedenken, sed de Fru, daar gingen see beede so Bed, awerst se was nich tofreden un de Girigkeit leet eer nich slapen, se dacht ümmer, wat se noch wol warden wull. Mit des ging de Sünn up; ha, dacht se, as se se ut den Finster so herup kamen sach, kann ick nich ook de Sünn upgaan laten?“ daar wurd se recht so grimmig, un stödd eeren Mann an: „Mann ga hen tum Butt, ick will warden, as de lewe Gott!“ de Mann was noch meist im Slaap, averst he verschrack sich so, dat he ut den Bed feel. „Ach! Fru, sed he, gaa in di un bliw Pabst.“
„Ne, sed de Fru, un reet sich dat Liivken up, ick bin nich ruhig, un kan dat nich uthollen, wenn ick de Sünn un de Maan upgaan see, un kan se nich ook upgaan laten, ick möt warden, as de lewe Gott!“
„Ach Fru, sed de Mann, dat kan de Butt nich, Kaiser un Pabst kan he maken, awerst dat kan he nich.“
„Mann, sed se, un sach so recht gräsig ut, ick will warden as de lewe Gott, gaa gliik hen to’m Butt.“
Dat fuur den Mann so dörch de Gleder, dat he bewt vör Angst; buten awer ging de Storm, dat alle Böme un Felsen umweigten un de Himmel was gans swart, un dat dunnert un blitzt; daar sach man in de See so swarte hoge Bülgen as Barg’ un hadden baben all eene witte Kroon von Schuum up, da sed he:

„Mandje! Mandje! Timpe Te!
Buttje, Buttje in de See!
Mine Fru de Ilsebill,
Will nich so, as ick wol will.“

„Na wat will se den?“ sed de But.
„Ach! sed he, se will warden as de leve Gott.“
„Gah man hen, se sitt all wedder in’n Pitzpott.“ Daar sitten se noch hüt un dissen Dag.

Philipp Otto Runge / Brüder Grimm - Kinder und Haus-Märchen - Erstauflage 1812 

Mittwoch, 11. Januar 2012

Ward ihr schon einmal auf einer Toilette, wo statt Musik Märchen zu hören sind?
Das habe ich eben erlebt, und zwar in dem gemütlichen Studentencafe wonderpots,gleich gegenüber der Jacob und Wilhelm Grimm Akademie in der Georgenstraße (in Berlin Mitte).

Da hüpfte das Herz der Märchenfreundin.
Ich hörte eine Weile zu und versuchte zu erraten, um welches Märchen es sich handelte.

Grübelnd, aber auch schmunzelnd kehrte ich zu meinem Tisch zurück. Und da fiel es mir ein: Es war das Märchen vom Teufel mit den drei goldenen Haaren.

www.wonderpots.de

Montag, 9. Januar 2012



Ο ΑΓΙΑΣΜΟΣ ΤΟΝ ΥΔΑΤΩΝ - DIE SEGNUNG DER GEWÄSSER
Am 6. Januar feiern die orthodoxen Christen die Offenbarung Gottes, die Theofanie.
In Griechenland kommen die Menschen an diesem Tag am Strand oder am Hafen zusammen. Während einer feierlichen Zeremonie wirft der Priester dreimal ein Kreuz ins Wasser. In vielen Orten gibt es folgende Tradition: Mutige Freiwillige springen ins kalte Wasser, um das Kreuz wieder heraufzuholen. Wer mehr über diesen Brauch erfahren möchte, kann sich auch Fotos dazu ansehen unter Segnung der Gewässer. In Berlin wurde dieses Fest am Sonntag, d. 8.1. begangen.
Die Gläubigen versammelten sich am Ufer der Spree (vor dem Haus der Kulturen der Welt) und schauten zu, wie der Priester dreimal nacheinander das ( an einem Band befestigte) Kreuz ins Wasser warf und dann wieder herauszog.
Auch Vertreter anderer Kirchen waren erschienen und nahmen an der Zeremonie teil.

Nach der Segnung versammelten sich die Menschen in den Räume des Hauses der Kulturen, und wir gingen zum gemütlichen Teil über bei Glühwein und Gebäck.
Am 6. Januar haben übrigens alle Männer, die Jannis oder Jordanis heißen, Namenstag.
Herzlichen Glückwunsch.

Auch in Deutschland ist der 6. Januar in manchen Bundesländern (z.B. in Bayern) ein Feiertag: Das Fest der Heiligen Drei Könige. In dieser Zeit ziehen Sternsinger durch die Straßen, singen Lieder und sammeln Geld für einen guten Zweck.
Anschließend schreiben sie mit Kreide K-M-B- (die Anfangsbuchstaben der drei Könige: Kaspar, Melchior und Balthasar) und die Jahreszahl auf oder neben die Haustür. Dies soll alles Unheil von dem Haus fern halten.

Sonntag, 8. Januar 2012

Märchen als Brücke....


Märchen als Brücke für Menschen und Kulturen

So lautet der Titel des Buches, das ich vor einigen Tagen in meinem Briefkasten fand. Ich wunderte mich, denn ich hatte kein Buch bestellt. Als Absender war Europäische Märchengesellschaft, Rheine angegeben. Da fiel mir ein: Sicher erhält jedes Mitglied der Märchengesellschaft einen solchen Band mit Forschungsbeiträgen aus der Welt der Märchen (2010).
Ihr glaubt gar nicht, wie ich mich gefreut habe. Super, dachte ich, als ich das Buch mit dem schönen Einband in der Hand hielt: Begegnung mit dem Wunder in Märchen, Sagen und Legenden.
Ich blätterte im Inhaltsverzeichnis und entdeckte den Namen Rafik Schami. Ja, mit seinem Aufsatz 'Eine zauberhafte Brücke nur für Kinder' fange ich an. Ich mag die phantasievollen Geschichten des 1946 in Damaskus geborenen Schriftstellers. Wenn er z.B. schreibt, "Dass Kinder Märchen brauchen und lieben, wussten Eltern,Großeltern und am besten die Kinder selbst schon immer. Wer aber Märchen ganz dringend braucht, sind die Erwachsenen. Für sie sehe ich eine große Chance, damit wieder Kind zu werden", spricht er mir ganz aus dem Herzen...

Freitag, 6. Januar 2012

Rätselauflösung Dezemberrätsel Nr. 1

Na, habt ihr das Märchen erkannt? Es handelt es sich um eine der beliebtesten Erzählungen aus den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm.
Lest sie ruhig noch einmal, die Geschichte von dem Mädchen, das von seinen Stiefschwestern und der Stiefmutter täglich gemobbt wird.
Sie bleibt zuerst geduldig und erledigt ihre Aufgaben. Dann aber macht sie sich auf den Weg und findet so ihr Glück.
Das Märchen kann Mut machen, sich aus der Opferrolle zu befreien.


Aschenputtel

Einem reichen Manne, dem wurde seine Frau krank, und als sie fühlte, daß ihr Ende herankam, rief sie ihr einziges Töchterlein zu sich ans Bett und sprach: “Liebes Kind, bleibe fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herabblicken, und will um dich sein.” Darauf tat sie die Augen zu und verschied. Das Mädchen ging jeden Tag hinaus zu dem Grabe der Mutter und weinte, und blieb fromm und gut. Als der Winter kam, deckte der Schnee ein weißes Tüchlein auf das Grab, und als die Sonne im Frühjahr es wieder herabgezogen hatte, nahm sich der Mann eine andere Frau.

Die Frau hatte zwei Töchter mit ins Haus gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen. Da ging eine schlimme Zeit für das arme Stiefkind an. “Soll die dumme Gans bei uns in der Stube sitzen!” sprachen sie, “wer Brot essen will, muß verdienen: hinaus mit der Küchenmagd!” Sie nahmen ihm seine schönen Kleider weg, zogen ihm einen grauen, alten Kittel an und gaben ihm hölzerne Schuhe. “Seht einmal die stolze Prinzessin, wie sie geputzt ist!” riefen sie, lachten und führten es in die Küche. Da mußte es von Morgen bis Abend schwere Arbeit tun, früh vor Tag aufstehen, Wasser tragen, Feuer anmachen, kochen und waschen. Obendrein taten ihm die Schwestern alles ersinnliche Herzeleid an, verspotteten es und schütteten ihm die Erbsen und Linsen in die Asche, so daß es sitzen und sie wieder auslesen mußte. Abends, wenn es sich müde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sondern mußte sich neben den Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig und schmutzig aussah, nannten sie es Aschenputtel.

Es trug sich zu, daß der Vater einmal in die Messe ziehen wollte, da fragte er die beiden Stieftöchter, was er ihnen mitbringen sollte. “Schöne Kleider,” sagte die eine, “Perlen und Edelsteine,” die zweite. “Aber du, Aschenputtel,” sprach er, “was willst du haben?” - “Vater, das erste Reis, das Euch auf Eurem Heimweg an den Hut stößt, das brecht für mich ab!” Er kaufte nun für die beiden Stiefschwestern schöne Kleider, Perlen und Edelsteine, und auf dem Rückweg, als er durch einen grünen Busch ritt, streifte ihn ein Haselreis und stieß ihm den Hut ab. Da brach er das Reis ab und nahm es mit. Als er nach Haus kam, gab er den Stieftöchtern, was sie sich gewünscht hatten, und dem Aschenputtel gab er das Reis von dem Haselbusch. Aschenputtel dankte ihm, ging zu seiner Mutter Grab und pflanzte das Reis darauf, und weinte so sehr, daß die Tränen darauf niederfielen und es begossen. Es wuchs aber und ward ein schöner Baum. Aschenputtel ging alle Tage dreimal darunter, weinte und betete, und allemal kam ein weißes Vöglein auf den Baum, und wenn es einen Wunsch aussprach, so warf ihm das Vöglein herab, was es sich gewünscht hatte.

Es begab sich aber, daß der König ein Fest anstellte, das drei Tage dauern sollte, und wozu alle schönen Jungfrauen im Lande eingeladen wurden, damit sich sein Sohn eine Braut aussuchen möchte. Die zwei Stiefschwestern, als sie hörten, daß sie auch dabei erscheinen sollten, waren guter Dinge, riefen Aschenputtel und sprachen: “Kämm uns die Haare, bürste uns die Schuhe und mache uns die Schnallen fest, wir gehen zur Hochzeit auf des Königs Schloss.” Aschenputtel gehorchte, weinte aber, weil es auch gern zum Tanz mitgegangen wäre, und bat die Stiefmutter, sie möchte es ihm erlauben. “Aschenputtel,” sprach sie, “bist voll Staub und Schmutz, und willst zur Hochzeit? Du hast keine Kleider und Schuhe, und willst tanzen!” Als es aber mit Bitten anhielt, sprach sie endlich: “Da habe ich dir eine Schüssel Linsen in die Asche geschüttet, wenn du die Linsen in zwei Stunden wieder ausgelesen hast, so sollst du mitgehen.” Das Mädchen ging durch die Hintertür nach dem Garten und rief: “Ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen,
Die guten ins Töpfchen,
Die schlechten ins Kröpfchen.”
Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein, und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten alle Vöglein unter dem Himmel herein und ließen sich um die Asche nieder. Und die Täubchen nickten mit den Köpfchen und fingen an pick, pick, pick, pick, und da fingen die übrigen auch an pick, pick, pick, pick, und lasen alle guten Körnlein in die Schüssel. Kaum war eine Stunde herum, so waren sie schon fertig und flogen alle wieder hinaus. Da brachte das Mädchen die Schüssel der Stiefmutter, freute sich und glaubte, es dürfte nun mit auf die Hochzeit gehen. Aber sie sprach: “Nein, Aschenputtel, du hast keine Kleider, und kannst nicht tanzen: du wirst nur ausgelacht.” Als es nun weinte, sprach sie: “Wenn du mir zwei Schüsseln voll Linsen in einer Stunde aus der Asche rein lesen kannst, so sollst du mitgehen,” und dachte: “Das kann es ja nimmermehr.” Als sie die zwei Schüsseln Linsen in die Asche geschüttet hatte, ging das Mädchen durch die Hintertür nach dem Garten und rief: “Ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen,
Die guten ins Töpfchen,
Die schlechten ins Kröpfchen.”
Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten alle Vöglein unter dem Himmel herein und ließen sich um die Asche nieder. Und die Täubchen nickten mit ihren Köpfchen und fingen an pick, pick, pick, pick, und da fingen die übrigen auch an pick, pick, pick, pick, und lasen alle guten Körner in die Schüsseln. Und ehe eine halbe Stunde herum war, waren sie schon fertig, und flogen alle wieder hinaus. Da trug das Mädchen die Schüsseln zu der Stiefmutter, freute sich und glaubte, nun dürfte es mit auf die Hochzeit gehen. Aber sie sprach: “Es hilft dir alles nichts: du kommst nicht mit, denn du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen; wir müssten uns deiner schämen.” Darauf kehrte sie ihm den Rücken zu und eilte mit ihren zwei stolzen Töchtern fort.

Als nun niemand mehr daheim war, ging Aschenputtel zu seiner Mutter Grab unter den Haselbaum und rief:
“Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich,
Wirf Gold und Silber über mich.”
Da warf ihm der Vogel ein golden und silbern Kleid herunter und mit Seide und Silber ausgestickte Pantoffeln. In aller Eile zog es das Kleid an und ging zur Hochzeit. Seine Schwestern aber und die Stiefmutter kannten es nicht und meinten, es müsse eine fremde Königstochter sein, so schön sah es in dem goldenen Kleide aus. An Aschenputtel dachten sie gar nicht und dachten, es säße daheim im Schmutz und suchte die Linsen aus der Asche. Der Königssohn kam ihm entgegen, nahm es bei der Hand und tanzte mit ihm. Er wollte auch sonst mit niemand tanzen, also daß er ihm die Hand nicht losließ, und wenn ein anderer kam, es aufzufordern, sprach er: “Das ist meine Tänzerin.”

Es tanzte bis es Abend war, da wollte es nach Hause gehen. Der Königssohn aber sprach: “Ich gehe mit und begleite dich,” denn er wollte sehen, wem das schöne Mädchen angehörte. Sie entwischte ihm aber und sprang in das Taubenhaus. Nun wartete der Königssohn, bis der Vater kam, und sagte ihm, das fremde Mädchen wär in das Taubenhaus gesprungen. Der Alte dachte: “Sollte es Aschenputtel sein?” und sie mussten ihm Axt und Hacken bringen, damit er das Taubenhaus entzweischlagen konnte; aber es war niemand darin. Und als sie ins Haus kamen, lag Aschenputtel in seinen schmutzigen Kleidern in der Asche, und ein trübes Öllämpchen brannte im Schornstein; denn Aschenputtel war geschwind aus dem Taubenhaus hinten herabgesprungen, und war zu dem Haselbäumchen gelaufen: da hatte es die schönen Kleider abgezogen und aufs Grab gelegt, und der Vogel hatte sie wieder weggenommen, und dann hatte es sich in seinem grauen Kittelchen in die Küche zur Asche gesetzt.

Am andern Tag, als das Fest von neuem anhub, und die Eltern und Stiefschwestern wieder fort waren, ging Aschenputtel zu dem Haselbaum und sprach:
“Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich,
Wirf Gold und Silber über mich!”
Da warf der Vogel ein noch viel stolzeres Kleid herab als am vorigen Tag. Und als es mit diesem Kleide auf der Hochzeit erschien, erstaunte jedermann über seine Schönheit. Der Königssohn aber hatte gewartet, bis es kam, nahm es gleich bei der Hand und tanzte nur allein mit ihm. Wenn die andern kamen und es aufforderten, sprach er: “Das ist meine Tänzerin.” Als es nun Abend war, wollte es fort, und der Königssohn ging ihm nach und wollte sehen, in welches Haus es ging: aber es sprang ihm fort und in den Garten hinter dem Haus. Darin stand ein schöner großer Baum, an dem die herrlichsten Birnen hingen, es kletterte so behend wie ein Eichhörnchen zwischen die Äste, und der Königssohn wusste nicht, wo es hingekommen war. Er wartete aber, bis der Vater kam, und sprach zu ihm: “Das fremde Mädchen ist mir entwischt, und ich glaube, es ist auf den Birnbaum gesprungen.” Der Vater dachte: “Sollte es Aschenputtel sein?” ließ sich die Axt holen und hieb den Baum um, aber es war niemand darauf. Und als sie in die Küche kamen, lag Aschenputtel da in der Asche, wie sonst auch, denn es war auf der andern Seite vom Baum herabgesprungen, hatte dem Vogel auf dem Haselbäumchen die schönen Kleider wiedergebracht und sein graues Kittelchen angezogen.

Am dritten Tag, als die Eltern und Schwestern fort waren, ging Aschenputtel wieder zu seiner Mutter Grab und sprach zu dem Bäumchen:
“Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich,
Wirf Gold und Silber über mich!”
Nun warf ihm der Vogel ein Kleid herab, das war so prächtig und glänzend, wie es noch keins gehabt hatte, und die Pantoffeln waren ganz golden. Als es in dem Kleid zu der Hochzeit kam, wussten sie alle nicht, was sie vor Verwunderung sagen sollten. Der Königssohn tanzte ganz allein mit ihm, und wenn es einer aufforderte, sprach er: “Das ist meine Tänzerin.”

Als es nun Abend war, wollte Aschenputtel fort, und der Königssohn wollte es begleiten, aber es entsprang ihm so geschwind, daß er nicht folgen konnte. Der Königssohn hatte aber eine List gebraucht, und hatte die ganze Treppe mit Pech bestreichen lassen: da war, als es hinabsprang, der linke Pantoffel des Mädchens hängen geblieben. Der Königssohn hob ihn auf, und er war klein und zierlich und ganz golden. Am nächsten Morgen ging er damit zu dem Mann und sagte zu ihm: “Keine andere soll meine Gemahlin werden als die, an deren Fuß dieser goldene Schuh passt.” Da freuten sich die beiden Schwestern, denn sie hatten schöne Füße. Die älteste ging mit dem Schuh in die Kammer und wollte ihn anprobieren, und die Mutter stand dabei. Aber sie konnte mit der großen Zehe nicht hineinkommen, und der Schuh war ihr zu klein, da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach: “Hau die Zehe ab: wenn du Königin bist, so brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen.” Das Mädchen hieb die Zehe ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiss den Schmerz und ging hinaus zum Königssohn. Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Sie mussten aber an dem Grabe vorbei, da saßen die zwei Täubchen auf dem Haselbäumchen und riefen:
“Rucke di guck, rucke di guck,
Blut ist im Schuck. (= Schuh):
Der Schuck ist zu klein,
Die rechte Braut sitzt noch daheim.”
Da blickte er auf ihren Fuß und sah, wie das Blut herausquoll. Er wendete sein Pferd um, brachte die falsche Braut wieder nach Hause und sagte, das wäre nicht die rechte, die andere Schwester solle den Schuh anziehen. Da ging diese in die Kammer und kam mit den Zehen glücklich in den Schuh, aber die Ferse war zu groß. Da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach: “Hau ein Stück von der Ferse ab: wann du Königin bist, brauchst du nicht mehr zu Fuß gehen.” Das Mädchen hieb ein Stück von der Ferse ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiss den Schmerz und ging heraus zum Königssohn. Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen, saßen die zwei Täubchen darauf und riefen:
“Rucke di guck, rucke di guck,
Blut ist im Schuck.
Der Schuck ist zu klein,
Die rechte Braut sitzt noch daheim.”
Er blickte nieder auf ihren Fuß und sah, wie das Blut aus dem Schuh quoll und an den weißen Strümpfen ganz rot heraufgestiegen war. Da wendete er sein Pferd und brachte die falsche Braut wieder nach Hause. “Das ist auch nicht die rechte,” sprach er, “habt ihr keine andere Tochter?” - “Nein,” sagte der Mann, “nur von meiner verstorbenen Frau ist noch ein kleines verbuttetes Aschenputtel da: das kann unmöglich die Braut sein.” Der Königssohn sprach, er sollte es heraufschicken, die Mutter aber antwortete: “Ach nein, das ist viel zu schmutzig, das darf sich nicht sehen lassen.” Er wollte es aber durchaus haben, und Aschenputtel musste gerufen werden. Da wusch es sich erst Hände und Angesicht rein, ging dann hin und neigte sich vor dem Königssohn, der ihm den goldenen Schuh reichte. Dann setzte es sich auf einen Schemel, zog den Fuß aus dem schweren Holzschuh und steckte ihn in den Pantoffel, der war wie angegossen. Und als es sich in die Höhe richtete und der König ihm ins Gesicht sah, so erkannte er das schöne Mädchen, das mit ihm getanzt hatte, und rief: “Das ist die rechte Braut.” Die Stiefmutter und die beiden Schwestern erschraken und wurden bleich vor Ärger: er aber nahm Aschenputtel aufs Pferd und ritt mit ihm fort. Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen, riefen die zwei weißen Täubchen:
“Rucke die guck, rucke di guck,
Kein Blut im Schuck.
Der Schuck ist nicht zu klein,
Die rechte Braut, die führt er heim.”
Und als sie das gerufen hatten, kamen sie beide herabgeflogen und setzten sich dem Aschenputtel auf die Schultern, eine rechts, die andere links, und blieben da sitzen.

Als die Hochzeit mit dem Königssohn sollte gehalten werden, kamen die falschen Schwestern, wollten sich einschmeicheln und teil an seinem Glück nehmen. Als die Brautleute nun zur Kirche gingen, war die älteste zur rechten, die jüngste zur linken Seite: da pickten die Tauben einer jeden das eine Auge aus. Hernach, als sie herausgingen, war die älteste zur linken und die jüngste zur rechten: da pickten die Tauben einer jeden das andere Auge aus. Und waren sie also für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit auf ihr Lebtag bestraft.